Die Sirene des Körpers - Folge 85 - Kontrolle

Shownotes

Pierre Bohn - Personal Trainer Medical Fitness, Mental Health Coach, Ernährungsberater Website: www.medical-fit.com

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00:00:05: Hallo und herzlich willkommen, die Sirene des Körpers.

00:00:08: Der Podcast der Deine Sinne schärft um Dich lehrt auf Deinen Körper zu hören.

00:00:11: Schön dass Du wieder dabei bist!

00:00:22: In der vergangenen Folge ging es um eine Frage, die viele von uns kennen.

00:00:25: Warum fällt es uns so schwer unsere eigenen Grenzen rechtzeitig wahrzunehmen und sie auch zu setzen?

00:00:32: Wir haben betrachtet, wie der Körper häufig schon lange Signale sendet bevor unser Bewusstsein sie wahrnimmt durch Müdigkeit, Anspannung Unruhe oder Erschöpfung.

00:00:41: Mit meinem Modell der vier Ebenen haben wir außerdem geschaut was Körpergeist, Ego und Selbst mit unseren Grenzen zu tun haben.

00:00:47: Wir haben darüber gesprochen warum ein Nein nicht egoistisch sein muss Wie Kindheit Anpassungen unter Wunsch nach Anerkennung unsere Grenzen beeinflussen können Und Warum eine Grenze manchmal sogar eine Form von Selbstachtung ist.

00:00:59: Und vielleicht war eine der wichtigsten Erkenntnisse, eine Grenze sagt nicht du bist mir egal sondern ich nehme auch mich selbst ernst Denn wer seine eigenen Grenzen wahrnimmt schafft die Voraussetzung dafür bewusster zu entscheiden was wirklich zu dir passt.

00:01:22: Kennst du das?

00:01:23: Du planst deinen Tag genau und dann kommt etwas dazwischen.

00:01:26: Du möchtest, dass etwas ganz Bestimmtes passiert aber es kommt anders!

00:01:29: Du wartest auf eine Nachricht und schaust ständig aufs Handy.

00:01:32: Du möchte wissen wie sich eine Situation entwickeln wird.

00:01:35: Du versuchst andere Menschen zu verstehen ihre Reaktionen vorherzusehen oder vielleicht sogar zu beeinflussen.

00:01:41: Du denkst eine Situation immer wieder durch.

00:01:44: Was hätte ich anders machen können?

00:01:45: Was wird passieren, was wenn es schief geht?

00:01:48: und manchmal merkst du irgendwann Ich versuche gerade etwas zu kontrollieren dass sich eigentlich gar nicht kontrollieren kann.

00:01:55: Warum tun wir das überhaupt?

00:01:57: warum fällt ist uns so schwer Dinge offen zu lassen?

00:01:59: Warum möchten wir wissen was kommt wie andere reagieren und ob am Ende alles so funktioniert Wie wir es uns vorgestellt haben?

00:02:06: Und noch spannender was passiert eigentlich in unserem Körper Wenn wir das Gefühl haben die Kontrolle zu verlieren, denn vielleicht beginnt Kontrolle gar nicht erst bei unserem Verhalten.

00:02:16: Vielleicht beginnt sie viel früher in unserem Bedürfnis nach Sicherheit.

00:02:29: Wenn wir über Kontrolle sprechen, meinen wir zunächst die Möglichkeit oder den Versuch Einfluss auf einen Prozess oder eine Ereignis zu nehmen.

00:02:36: Psychologisch betrachtet kann sich Kontrolle dabei auf ganz unterschiedliche Ebenen beziehen.

00:02:40: Wir versuchen uns selbst zu kontrollieren, das Verhalten anderer Menschen zu beeinflussen Situationen zu steuern die Zukunft planbar zu machen oder sogar unsere eigenen Gedanken und Gefühle unter Kontrolle zu halten.

00:02:52: Indoch genau hier wird es interessant.

00:02:54: Kontrolle und Einfluss sind nicht dasselbe.

00:02:57: wir können unseren eigenen Handlungsspielraum beeinflüssen Entscheidungen treffen und bestimmte Bedingungen gestalten, aber wir können nicht vollständig kontrollieren was andere Menschen denken.

00:03:07: Wie sie auf uns reagieren?

00:03:08: Was morgen passiert oder welche Ereignisse plötzlich in unser Leben treten.

00:03:12: auch unsere eigenen Gefühle lassen sich nicht einfach auf Knopfdruck bestimmen Und trotzdem versuchen wir es immer wieder.

00:03:19: Wir planen analysieren überlegen sichern ab und versuchen vorher zu sehen was passieren könnte.

00:03:26: vielleicht gibt uns das kurzfristig ein Gefühl von Sicherheit.

00:03:29: Aber wo endet eigentlich unser Einfluss?

00:03:32: Und wo beginnt der Versuch, etwas kontrollieren zu wollen, dass gar nicht in unserer Hand liegt?

00:03:37: Genau an dieser Grenze wird Kontrolle spannend!

00:03:51: Stärke Bedürfnis nach Kontrolle.

00:03:53: Ein wichtiger Grund liegt in der Art, wie unser Gehirn arbeitet.

00:03:56: Unser Gehirnen mag Vorhersehbarkeit.

00:03:58: Wenn wir wissen was passiert können wir uns darauf einstellen und vorbereiten.

00:04:02: wenn wir dagegen nicht wissen was auf uns zukommt entsteht Unsicherheit Und Unsicherheid kann für unseren Nervensystem sehr belastend sein.

00:04:10: Unser Gehirn versucht deshalb ständig vorher zu sagen, was als Nächstes passieren könnte.

00:04:14: Es sammelt Informationen, vergleicht Erfahrungen und sucht nach Mustern.

00:04:17: Je besser wir eine Situation einschätzen können desto leichter fällt es uns, uns darauf einzustellen.

00:04:23: Auch unsere Stressreaktion spielt dabei eine Rolle.

00:04:25: wenn wir eine Situation als unsicher oder möglicherweise bedrohlich erleben kann unser Nervensystem in erhöhte Aktivierung gehen.

00:04:32: Hormone wie Cortisol helfen unserem Körper dabei mit dieser Situation umzugehen.

00:04:37: Die werden aufmerksamer und richten unsere Aufmerksamkeit stärker darauf, herauszufinden was passiert.

00:04:42: Und was wir tun können!

00:04:44: Genau hier kann Kontrolle zunächst etwas Beruhigendes haben.

00:04:47: Sie vermittelt uns das Gefühl ich kann etwas tun Ich kann planen, ich kann vorbereiten, ich kan nachfragen, ich can handeln.

00:04:55: Dieses Gefühl von Einfluss kann Sicherheit schaffen.

00:04:58: Aber jetzt wird es spannend Was passiert wenn wir versuchen Sicherheit?

00:05:02: durch Kontrolle zu erzeugen, obwohl eine Situation grundsätzlich nicht kontrollierbar ist.

00:05:09: Wenn wir beispielsweise unbedingt wissen wollen was ein anderer Mensch denkt wie er reagieren wird oder was morgen passieren wird können wir noch so viel analysieren.

00:05:17: eine vollständige Sicherheit werden wir dadurch nicht bekommen und vielleicht beginnt genau dort der Kreislauf.

00:05:24: je weniger Kontrolle wir tatsächlich haben desto stärker versuchen wir manchmal Kontrolle herzustellen.

00:05:37: Was passiert eigentlich in uns, wenn etwas nicht so läuft wie wir es geplant haben?

00:05:41: Vielleicht kennst du diesen Moment.

00:05:43: Du hast dir was ganz anderes vorgestellt und plötzlich merkst du, wie sich innerlich etwas verändert.

00:05:48: Du wirst unruhig dein Körper spannt sich an.

00:05:50: Dein Herzschlag wird vielleicht schneller und deine Gedanken beginnen zu kreisen.

00:05:54: Du gehst die Situation immer wieder durch und suchst nach einer Möglichkeit doch noch Einfluss zu nehmen.

00:06:00: Vielleicht möchtest du sofort jemand anrufen, eine Nachricht schreiben etwas klären oder eine Entscheidung treffen.

00:06:05: Nicht unbedingt weil es tatsächlich etwas zu tun gibt sondern weil dein Körper dieses Gefühl von Unsicherheit möglichst schnell beenden möchte.

00:06:14: Manchmal zeigt sich das auch erst später – Du kannst nicht abschalten, schläfst schlechter, bist gereizter oder bemerkst dass du gedanklich ständig bei derselben Situation bist.

00:06:25: Das Interessante daran ist, unser Nervensystem reagiert nicht nur auf tatsächliche Gefahren.

00:06:30: Auch Unsicherheit kann als Belastung wahrgenommen werden.

00:06:33: Wenn wir nicht wissen was passiert, kann unser Gehirn schlechter vorhersagen worauf es sich einstellen muss.

00:06:39: und genau diese fehlende Vorhersehbarkeit kann Aktivierung auslösen.

00:06:44: Stell dir vor, du wartest auf eine wichtige Nachricht.

00:06:46: Solange du keine Antwort hast weißt du nicht wie die Situation ausgeht.

00:06:49: vielleicht ist alles völlig in Ordnung aber dein Kopf beginnt Möglichkeiten zu entwickeln.

00:06:54: Was bedeutet das?

00:06:56: Warum antwortet die Person nicht?

00:06:58: habe ich etwas falsch gemacht?

00:06:59: was könnte jetzt passieren?

00:07:01: und plötzlich ist nicht mehr nur die Situation selbst das Problem.

00:07:03: deine Gedanken versuchen die Unsicherheit zu lösen.

00:07:06: Du überprüfst dein Handy, du liest die letzte Nachricht noch einmal.

00:07:09: Du überlegst ob du noch einmal schreiben solltest?

00:07:12: Du spielst verschiedene Szenarien durch und vielleicht bekommst du irgendwann tatsächlich eine kurze Erleichterung weil du etwas getan hast.

00:07:20: Genau hier kann ein interessanter Kreislauf entstehen Unsicherheit Stress Kontrollverlust Kurzfristige Erleicherung Noch stärkeres Kontrollbedürfnis Denn unser Gehirn kann dabei lernen.

00:07:33: Wenn ich mich unsicher fühle Muss ich etwas kontrollieren?

00:07:37: Das kann im Alltag ganz harmlos beginnen.

00:07:39: Wir überprüfen noch einmal etwas, wir fragen noch einmal nach, wir planen noch genauer und wollen eine Situation unbedingt verstehen.

00:07:46: Doch wenn daraus ein Muster wird, kann Kontrolle selbst zur Belastung werden!

00:07:51: Denn je mehr wir versuchen jede Unsicherheit auszuschließen, desto weniger lernen Unsicherheit auszuhalten.

00:07:58: Und vielleicht liegt genau hier eine der großen Herausforderungen beim Thema Kontrolle.

00:08:02: Nicht jede Unsicherkeit ist ein Problem, das gelöst werden muss.

00:08:06: Manchmal ist sie einfach ein Teil des Lebens.

00:08:08: und dann stellt sich die entscheidende Frage Kann ich etwas nicht wissen?

00:08:12: Nicht beeinflussen und nicht kontrollieren?

00:08:15: und trotzdem in mir ruhig bleiben?

00:08:25: Und an dieser Stelle möchte ich wieder das Modell der Vierebenen aufgreifen.

00:08:29: Einige von euch kennen es vielleicht schon aus den vorherigen Folgen und gerade beim Thema Kontrolle wird dieses Modell besonders interessant, weil die vier Ebenen nicht bei jedem Menschen gleich stark ausgeprägt sind und auch nicht immer die gleichen Priorität haben.

00:08:43: Im Gegenteil manchmal ist es sogar genau die Ebene, die wir selbst für weniger wichtig halten, die unsere Entscheidung am stärksten beeinflusst.

00:08:51: Und das macht Veränderung so schwierig, denn wenn wir unser Kontrollverhalten verändern möchten reicht es häufig nicht einfach zu erkennen was wir tun.

00:08:58: Wir müssen bereit sein ehrlich hinzuschauen warum wir es tun.

00:09:03: Beginnen wir mit der ersten Ebene dem Körper.

00:09:05: Was passiert körperlich wenn wir das Gefühl haben eine Situation nicht mehr kontrollieren zu können?

00:09:11: Vielleicht entsteht Anspannung ohne Ruhe oder ein innerer Druck.

00:09:15: Der Atem wird flacher, der Herzschlag verändert sich oder wir kommen kaum noch zur Ruhe.

00:09:20: Und oft passiert das bevor wir überhaupt bewusst formulieren – ich habe gerade Angst die Kontrolle zu verlieren!

00:09:25: Ist das sinnvoll?

00:09:41: Wir analysieren eine Situation, finden eine Lösung und können handeln.

00:09:45: Aber manchmal drehen sich die Gedanken nur noch im Kreis.

00:09:48: Ist dieses Kröbeln wirklich Problemlösung oder ist es manchmal einfach Kontrolle in Gedankenformen?

00:09:55: Dann kommt die dritte Ebene – das Ego!

00:09:58: Und hier finde ich wird's wirklich spannend denn vielleicht versuchen wir manchmal gar nicht den erster Linie die Situation zu kontrollieren.

00:10:04: Vielleicht versuchen wir unser eigenes Bild von uns selbst zu kontrolliern.

00:10:09: Ich muss kompetent sein, ich darf keinen Fehler machen.

00:10:11: Ich muss alles im Griff haben.

00:10:13: andere sollen mich für zuverlässig stark oder erfolgreich halten.

00:10:17: Was passiert wenn etwas dieses Bild infrage stellt?

00:10:20: Wenn wir einen Fehler machen wenn jemand enttäuscht von uns ist wenn wir nicht wissen was wir tun sollen?

00:10:26: Vielleicht entsteht dann ein Kontrollversuch weil wir nicht erleben möchten dass unser Selbstbild ins Wankengerät.

00:10:32: und schließlich kommen wir zur vierten Ebene.

00:10:35: demselbst.

00:10:36: Hier verändert sich die Frage, nicht mehr wie bekomme ich das unter Kontrolle.

00:10:41: Sondern was liegt wirklich in meiner Verantwortung?

00:10:44: Was kann ich beeinflussen und was darf ich loslassen?

00:10:51: Das selbst versucht nicht alles kontrollierbar zu machen.

00:10:53: es beginnt zu unterscheiden Und genau hier möchte ich noch einmal auf etwas zurückkommen dass mir bei dem Modell wichtig ist.

00:11:00: Die vier Ebenen sind nicht gleichberechtigt und nicht immer gleich stark.

00:11:03: Bei dem einen Menschen dominiert vielleicht der Geist, beim anderen das Ego.

00:11:08: Bei jemand anderem reagiert der Körper so stark dass alle anderen Ebenenden kaum noch zu Wort kommen.

00:11:13: Und manchmal hat gerade eine Ebene die wir selbst gar nicht als besonders wichtig wahrnehmen den größten Einfluss auf unser Verhalten.

00:11:21: Das kann eine Veränderung besonders schwierig machen Denn dann reicht es sich nicht einfach zu sagen ich sollte weniger kontrollieren Man muss bereit sein, sich selbst sehr ehrlich zu begegnen.

00:11:32: Was versuche ich hier eigentlich wirklich zu kontrollieren?

00:11:35: Eine Situation, meine Angst die Reaktion eines anderen Menschen mein Selbstbild oder vielleicht ein Gefühl das ich eigentlich nicht aushalten möchte?

00:11:45: und diese Ehrlichkeit kann unangenehm sein denn manchmal entdecken wir dabei Gründe für unser Verhalten die wir lieber nicht sehen würden.

00:11:52: aber genau dort beginnt aus meiner Sicht veränderung nicht bei der perfekten Methode, sondern bei der Bereitschaft sich selbst nichts mehr vorzumachen.

00:12:00: Denn solange wir nur das sichtbare Verhalten verändern kann das alte Muster an einer anderen Stelle wieder auftauchen – erst wenn wir verstehen welche Ebene in uns eigentlich die Führung übernommen hat und warum entsteht die Möglichkeit wirklich etwas zu verändern!

00:12:21: Wenn wir noch etwas tiefer in die Psychologie schauen, wird deutlich das hinter einem starken Kontrollbedürfnis nicht unbedingt stärker steckt.

00:12:28: Manchmal liegt darunter genau das Gegenteil Unsicherheit Denn Kontrolle kann uns das Gefühl geben eine Situation im Griff zu haben.

00:12:35: Solange ich Planen überprüfen vorbereiten oder beeinflussen kann muss Ich mich vielleicht weniger mit dem auseinandersetzen was ich nicht weiß.

00:12:43: Und genau deshalb kann hinter dem übermäßigen Kontrollbedürfnis vieles stehen, was auf den ersten Blick gar nichts mit Kontrolle zu tun zu haben scheint.

00:12:50: Die Angst einen Fehler zu machen, die Angst vorab... ...die Angst etwas oder jemanden zu verlieren!

00:12:55: Die Angst vor Veränderungen, die angst vor dem Ungewissen, die Angst zu versagen und manchmal sogar die Angst vorm eigentlichem Kontrollverlust.

00:13:03: Und vielleicht kennst du das ja aus deinem eigenen Leben.

00:13:05: Du möchtest eine Situation unbedingt richtig machen, du möchtes keine falsche Entscheidungen treffen, du möchtest wissen wie ein anderer Mensch über dich denkt, du Möchtes vorbereitet sein damit möglichst nichts schief geht.

00:13:16: Das Problem dabei ist Kontrolle kann kurzfristig tatsächlich Angst reduzieren Wenn ich noch einmal nachfrage, nochmal überprüfe, noch einen Plan mache oder versuche alle Möglichkeiten vorherzusehen.

00:13:27: Kann sich das für ein Moment beruhigend anfühlen?

00:13:30: Ich habe etwas getan und habe reagiert.

00:13:34: Doch genau darin kann eine kleine Falle liegen.

00:13:38: Wenn unser Gehirn immer wieder die Erfahrung macht, ich fühle mich sicher.

00:13:41: Wenn ich alles kontrolliere kann daraus mit der Zeit eine feste Verbindung entstehen und dann wird Unsicherheit nicht mehr einfach zu einem normalen Bestandteil des Lebens.

00:13:50: so wird es zu etwas das wir möglichst schnell beseitigen müssen.

00:13:54: und plötzlich reicht schon eine kleine Unsicherkeit damit wir unruhig werden Eine unbeantwortete Nachricht eine unerwartete Veränderung ein Gespräch dessen Ausgang wir nicht kennen eine Entscheidung bei der wir nicht wissen ob sie richtig sein wird.

00:14:06: Je stärker wir versuchen, Unsicherheit zu kontrollieren, desto weniger lernen wir möglicherweise sie auszuhalten und daraus kann ein Kreislauf entstehen.

00:14:14: Ich habe Angst, also versuche ich zu kontrollieren.

00:14:16: Die Kontrolle beruhigt mich kurzfristig, dadurch lernt mein Gehirn.

00:14:20: Kontrolle macht mich sicher!

00:14:22: Beim nächsten Mal fühlt sich die Unsicherheit noch unangenehmer an und mein Kontrollbedürfnis wird noch stärker.

00:14:28: Vielleicht ist deshalb eine der spannendsten Fragen überhaupt nicht wie bekomme ich diese Situation unter Kontrolle?

00:14:34: Sondern was würde passieren wenn ich diese Unsicherkeit für einen Moment einfach aushalte.

00:14:41: Denn vielleicht geht es bei Kontrolle gar nicht immer darum, etwas im Außen zu verändern.

00:14:46: Vielleicht geht es manchmal darum ein Gefühl im Inneren nicht fühlen zu müssen.

00:14:58: Kontrolle beginnt nicht immer mit einem großen Problem.

00:15:01: Häufig entsteht sie ganz unauffällig im Alltag.

00:15:04: Wir kontrollieren unsere Ernährung, planen unser Training überprüfen.

00:15:08: Unsere Arbeit!

00:15:09: Schauen immer wieder auf Nachrichten oder versuchen unsere Finanzen möglichst genaue Blick zu behalten.

00:15:14: wir plan unseren Tag beobachten unseren Körper und machen uns Gedanken darüber ob wir genug schlafen.

00:15:20: All das kann natürlich extrem sinnvoll sein, Kontrolle ist ja nicht grundsätzlich etwas Negatives.

00:15:25: Sie hilft uns Verantwortung zu übernehmen, Ziele zu verfolgen und unser Leben zu strukturieren.

00:15:30: Die entscheidende Frage ist deshalb nicht ob wir kontrollieren sondern wie viel Kontrolle wir brauchen um uns noch sicher zu fühlen Denn irgendwann kann aus einem sinnvollen Verhalten ein Muster werden.

00:15:41: Ich kontrolliere ständig meine Leistung.

00:15:43: Ich kontrollere meine Ernährung, ich kontrolliere meinen Schlaf, ich kontroliere meine Nachrichten, ich Kontrolliere meinen Tagesablauf und wie andere auf mich reagieren.

00:15:54: Und vielleicht fällt uns zunächst gar nicht auf, wie viel Energie dabei gebunden wird?

00:15:58: Wir überprüfen, vergleichen Planen korrigieren und beobachten – immer mit dem Gedanken, ich möchte sicher sein das alles richtig läuft!

00:16:05: Doch was passiert, wenn wir irgendwann nicht mehr kontrollieren?

00:16:08: Weil es sinnvoll ist, sondern weil wir das Gefühl haben, kontrollieren zu müssen.

00:16:13: Vielleicht möchtest du eigentlich schlafen... aber dein Kopf überprüft noch einmal den morgigen Tag.

00:16:19: Vielleicht hast du frei, aber innerlich kontrollierst du trotzdem ob du heute genug geleistet hast?

00:16:24: Vielleicht bist du mit einem Menschen zusammen oder beobachtest ständig dessen Reaktion und versuchst herauszufinden ob alles noch in Ordnung ist.

00:16:32: Dann wird Kontrolle nicht mehr nur zu einem Werkzeug.

00:16:35: sie wird selbst zu einem Teil unseres Lebens den wir ständig aufrecht erhalten müssen Wenn wir immer alles überwachen müssen, um uns sicher zu fühlen.

00:16:45: wie frei sind wir dann eigentlich noch.

00:16:48: Denn vielleicht ist die entscheidende Grenze nicht dort wo Kontrolle beginnt sondern dort wo wir ohne Kontrolle keine Ruhe mehr finden.

00:17:03: Vielleicht liegt eine der größten Herausforderungen beim Thema Kontrolle darin dass wir unseren eigenen Einfluss häufig überschätzen.

00:17:10: Wir planen, wir bereiten uns vor.

00:17:12: Wir versuchen Risiken zu vermeiden und Abläufe zu optimieren.

00:17:15: Natürlich können wir damit vieles beeinflussen.

00:17:17: Wir können gute Entscheidungen treffen, uns vorbereiten an bestimmte Voraussetzungen schaffen.

00:17:22: Aber trotzdem bleibt immer ein Teil, den wir nicht bestimmen können.

00:17:26: Wir könnten noch so gut planen – plötzlich werden wir krank!

00:17:29: Ein Mensch auf dem wir uns verlassen haben entscheidet sich anders.

00:17:32: eine Beziehung verändert sich, ein beruflicher Plan funktioniert nicht.

00:17:36: etwas Unerwartetes passiert.

00:17:39: Manchmal ist es Zufall, manchmal sind es äußere Umstände und manchmal ist es einfach das Leben selbst.

00:17:45: Genau deshalb lohnt sich eine Unterscheidung die auf den ersten Blick klein wirkt aber einen großen Unterschied macht.

00:17:51: Kontrolle bedeutet ich bestimme das Ergebnis.

00:17:55: Einfluss bedeutet Ich beeinfluse die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses.

00:18:01: Wenn ich mich auf ein Gespräch vorbereite, kann ich beeinflussen wie ich dieses Gespräch gehe.

00:18:07: Aber ich kann nicht kontrollieren wie der andere Mensch reagieren wird.

00:18:11: Wenn ich mir gesund ernähre und bewege, kann Ich Einfluss auf meine Gesundheit nehmen aber ich kann Nicht jedes gesundheitliche Ereignis verhindern.

00:18:20: Wenn ich mich um eine Beziehung bemühe, kann ich meine Haltung und mein Verhalten beeinflussen.

00:18:24: Aber ich kann nicht bestimmen was der andere Mensch fühlt oder entscheidet Und genau darin liegt ein wichtiger Perspektivwechsel.

00:18:31: Wir haben oft viel mehr Einfluss als wir glauben aber gleichzeitig deutlich weniger Kontrolle Als wir gerne hätten.

00:18:39: Vielleicht macht uns gerade diese Tatsache so unruhig, wir verwechseln Einfluss mit Kontrolle und erwarten von uns selbst Ergebnisse garantierend zu müssen auf die wir letztlich gar keinen vollständigen Zugriff haben.

00:18:51: Das kann enorm viel Druck erzeugen denn wenn etwas nicht funktioniert denken wir schnell was habe ich falsch gemacht?

00:18:56: Was hätte ich noch tun können, was hätte ich verhindern müssen?

00:19:00: Manchmal ist die Frage sinnvoll aber manchmal suchen wir darin nach einer Kontrolle die es überhaupt gegeben hat.

00:19:06: und vielleicht beginnt innere Freiheit genau dort, wo wir diese Grenze erkennen.

00:19:11: Ich darf alles tun was in meinem Einflussbereich liegt ohne mir einzureden dass ich deshalb auch das Ergebnis kontrollieren kann Denn das Leben lässt sich gestalten aber es lässt sich nicht vollständig kontrollieren.

00:19:32: Nachdem wir jetzt gesehen haben wie leicht Kontrolle zu einem Bedürfnis werden kann Das uns zunehmend beschäftigt stellt sich natürlich die Frage Was können wir denn tatsächlich kontrollieren?

00:19:40: Und vielleicht ist die Antwort zunächst ernüchternd.

00:19:43: Wir können nicht kontrollieren was andere Menschen über uns denken, wir können nicht bestimmen was andere fühlen oder wie sie... auf uns reagieren.

00:19:51: Wir können nicht verändern, was bereits passiert ist und wir können nicht wissen, was morgen tatsächlich auf uns zukommt.

00:19:57: Auch welche Ereignisse uns im Leben begegnen werden liegt nur sehr begrenzt in unserer Hand – aber das bedeutet nicht dass wir keinen Einfluss haben!

00:20:04: Wir können beeinflussen wie wir reagieren, wir können entscheiden, welche Entscheidungen wir treffen, welche Gewohnheiten wir entwickeln und worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.

00:20:19: und welche Bedeutung wir einer Situation geben.

00:20:23: Und genau diese Unsicherheit halte ich für entscheidend, denn manchmal verschwenden wir unglaublich viel Energie damit etwas kontrollieren zu wollen das außerhalb unseres Einflussbereiches liegt während wir gleichzeitig übersehen was tatsächlich in unserer Hand liegt.

00:20:39: Vielleicht kannst du dir deshalb in einer schwierigen Situation einmal zwei Fragen stellen Was liegt gerade außerhalb meiner Kontrolle?

00:20:46: danach.

00:20:47: Was liegt trotzdem in meinem Einflussbereich?

00:20:51: Allein diese beiden Fragen können etwas verändern, denn sie holen uns aus dem Gefühl heraus einer Situation völlig ausgeliefert zu sein ohne uns gleichzeitig die Illusion zu geben, wir könnten alles bestimmen.

00:21:03: Vielleicht ist genau das die realistische Reform von Selbststeuerung – nicht zu versuchen das Leben vollständig unter Kontrolle zu bekommen sondern den eigenen Handlungsspielraum zu erkennen und ihn bewusst zu nutzen.

00:21:15: Denn letztlich gilt Kontrolle über das Leben als eine Illusion.

00:21:19: Einfluss auf das eigene Leben ist Realität.

00:21:23: Wenn wir über Kontrolle sprechen, kommen wir irgendwann unweigerlich zum Thema Loslassen.

00:21:28: Und gerade hier gibt es ein großes Missverständnis.

00:21:30: Denn Kontrolle loslassen bedeutet nicht dass uns etwas egal ist.

00:21:34: Es bedeutet auch nicht ich kann sowieso nichts machen und schon gar nicht bedeutet es Verantwortung abzugeben im Gegenteil.

00:21:40: Loslassen kann bedeuten genauer hinzuschauen und zu unterscheiden was liegt tatsächlich in meiner Hand?

00:21:47: Nehmen wir eine Beziehung oder einen anderen Menschen.

00:21:50: du kannst nicht kontrollieren Ob jemand dich mag, was dieser Mensch über dich denkt oder wie er sich letztlich entscheidet.

00:21:56: Aber du kannst sehr wohl beeinflussen, wie du dich diesem Menschen gegenüber verhältst.

00:22:00: Du kannst ehrlich sein, respektvoll, aufmerksam und klar!

00:22:04: Oder ein berufliches Projekt?

00:22:06: Du kannst nicht kontrollieren ob es am Ende erfolgreich wird.

00:22:09: Vielleicht kommen äußere Umstände hinzu die du nicht vorhersehen kannst aber du kannst beeinflussend wie gut... Du, die ich vorbereite.

00:22:15: Wie viel Energie du investierst und wie du mit Rückschlägen umgehst.

00:22:20: Und auch bei der Zukunft ist es ähnlich.

00:22:22: Du kannst nicht kontrollieren was morgen passiert aber... ...du kannst heute Bedingungen schaffen, die dir helfen mit dem Umzugehen was morgen kommt.

00:22:30: Genau darin liegt für mich ein wichtiger Unterschied.

00:22:33: Loslassen bedeutet nichts mehr zu tun.

00:22:36: Es bedeutet nicht mehr gegen das anzukämpfen was ohnehin außerhalb des eigenen Einflussbereiches liegt Und vielleicht ist das sogar eine anspruchsvolle Reform von Verantwortung, denn Kontrolle kann uns manchmal das Gefühl geben alles selbst in der Hand zu haben.

00:22:51: Loslassen verlangt dagegen die eigenen Grenzen anzuerkennen und trotzdem handlungsfähig bleiben.

00:22:58: Du tust also weiterhin was du tun kannst.

00:23:01: Du bereitest dich vor, du triffst Entscheidungen, du setzt Grenzen, übernimmst Verantwortung aber du verlangst von dir nicht mehr das Ergebnis garantieren zu müssen.

00:23:10: Vielleicht entsteht genau daraus eine andere Form von innerer Ruhe.

00:23:14: Ich tue was in meiner Hand liegt und ich akzeptiere, dass nicht alles in meine Hand liegt.

00:23:19: Das ist keine Aufgabe von Verantwortung – das ist eine realistische Reform von Verantwortung!

00:23:31: Vielleicht ist Kontrolle gar nicht das Gegenteil von Freiheit.

00:23:33: Vielleicht ist es vielmehr der Versuch, alles kontrollieren zu müssen, der uns unfrei macht….

00:23:38: Denn wenn ich glaube alles in Griff haben zu müssen, muss ich ständig aufmerksam sein.

00:23:42: Ich muss Planen überprüfen, bewerten, absichern und korrigieren!

00:23:45: Ich muss wissen was passiert wie andere reagieren und ob alles so läuft wie ich es mir vorgestellt habe.

00:23:50: Und irgendwann besteht ein großer Teil unserer Energie nicht mehr darin unser Leben zugestalten sondern darin zu verhindern dass etwas Unvorhergesehenes passiert.

00:23:59: Aber genau das können wir nicht.

00:24:00: Vielleicht beginnt Freiheit deshalb an einem ganz anderen Punkt, dort wo wir unterscheiden lernen was liegt in meiner Hand?

00:24:07: Was kann ich beeinflussen und was darf ich loslassen?

00:24:11: Das bedeutet nicht dass wir weniger Verantwortung übernehmen.

00:24:13: Im Gegenteil Wir übernehmen Verantwortung für den Teil Den wir tatsächlich gestalten können Und hören gleichzeitig auf Verantwortung Für Dinge zu tragen die niemals vollständig in unserer hand lagen.

00:24:25: Und vielleicht ist genau das ein wichtiger Perspektivwechsel.

00:24:28: Du musst nicht alles kontrollieren, um sicher zu sein!

00:24:31: Du musst wissen worauf du Einfluss hast... Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens, damit Dinge kontrollieren zu wollen.

00:24:38: Unseren Körper, unsere Zeit, unsere Arbeit, unsere Beziehungen und unsere Zukunft.

00:24:43: Wir planen, organisieren, analysieren und versuchen vorherzusehen was passieren könnte.

00:24:48: Und trotzdem bleibt immer ein Teil des Lebens den wir nicht bestimmen können.

00:24:52: Vielleicht genau das ist keine Schwäche des Menschen.

00:24:54: vielleicht gehört diese Unsicherheit zum Leben selbst denn wenn wir wirklich alles kontrollieren könnten gäbe es keine Überraschung, keine Entwicklung, keine Veränderungen und vielleicht auch keine wirkliche Freiheit.

00:25:04: Denn Freiheit entsteht nicht dadurch das alles so passiert wie wir es geplant haben.

00:25:09: Vielleicht entsteht sie gerade dann wenn etwas anders kommt – und wir trotzdem bei uns bleiben können!

00:25:14: Vielleicht besteht innere Stärke deshalb nicht darin immer alles in Griff zu haben sondern darin auch dann ruhig zu bleiben oder bleiben zu können, wenn etwas nicht mehr in unserer Hand liegt.

00:25:25: Zu wissen wann ich handeln muss?

00:25:28: und zu wissen, wann ich loslassen muss.

00:25:31: Denn vielleicht ist die wichtigste Form von Kontrolle nicht die Kontrolle über die Welt sondern die Fähigkeit bewusst zu entscheiden wie ich mit dem umgehe was die Welt mit mir macht.

00:25:42: Und vielleicht ist genau das der Punkt an dem Kontrolle ihre Bedeutung verändert.

00:25:46: Wir versuchen nicht mehr das Leben vollständig zu beherrschen.

00:25:49: wir lernen uns selbst darin zu führen.

00:25:53: Freiheit bedeutet Nicht alles kontrollieren zu können.

00:25:56: Freiheit bedeutet zu erkennen was in deiner Hand liegt und den Rest loslassen zu können.

00:26:02: Und damit sind wir für heute schon wieder am Ende.

00:26:05: Vielen Dank, dass du dir wieder die Zeit genommen hast zuzuhören!

00:26:07: Und wenn du zusätzlich Fragen, Anregungen, Feedback-Hinweise oder Tipps hast, gern an die Mailadresse in den Show notes.

00:26:15: Bis zur nächsten Woche lasst es dir gut gehen.

00:26:17: bleibe wahrnehmungsfähig.

00:26:18: Die Sirene des Körpers der Podcast, der deine Sinne schärft und dich lehrt auf deinen Körper zu hören bleibt gesund.

00:26:24: Ciao.

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